Regine Lorenzen, Dipl. Sozialpädagogin  |  Lassenweg 1  |  24220 Flintbek  |  Tel: 0 43 47 - 909 88 33


                                                                                     wahrnehmen

                                                          bewegen                                                                                                                                                                                                                                                                                              entwickeln

 

Ein etwas anderer Erklärungsversuch

Stellen Sie sich vor, Sie müssen täglich mit dem Auto von Kiel nach Hamburg zur Arbeit fahren. Doch leider ist Ihnen die Autobahn nicht bekannt. So fahren Sie jeden Tag über die Landstraße nach Hamburg und sind jeden Abend erschöpft. Sie haben sich bereits ein bequemeres Auto gekauft und heraus- gefunden, wie man einige Ampeln umgehen kann, um etwas entspannter ans Ziel zu kommen. Viel Verbesserung bringt es jedoch nicht, richtig unglücklich sind Sie aber auch nicht, denn von den Vorteilen der Autobahn wissen Sie nichts. Welch ein neues Lebensgefühl muss es für Sie sein, wenn ihnen plötzlich jemand die Nutzung der Autobahn ermöglicht. Sie gewinnen jeden Tag Zeit und haben abends noch Energie übrig.

Genauso verhält es sich mit dem zentralen Nervensystem; auch hier gibt es schnelle und langsame Nerven-Verbindungen. Werden die frühkindlichen Reflexe in der Schwangerschaft nur ungenügend ausgebildet oder in den Monaten nach der Geburt nicht rechtzeitig gehemmt, verhindern sie die Entstehung schneller „Nervenautobahnen“. Wenn z.B. die Informationen des Auges nur über Umwege im Gehirn weitergeleitet werden, kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein. Lesen lernen wird erschwert und das Gehirn verbraucht hierfür mehr Energie, die dann wiederum bei anderen Handlungen fehlt.

 

Die Sinnesentwicklung in Kürze

Die Entwicklung des Nervensystems hat un- mittelbare Auswirkungen auf die Sinnesent- wicklung. Die Reihenfolge der Entwicklung der Sinne spielt wiederum eine wichtige Rolle in der gesamten Entwicklung. Die Nahsinne (Basalsinne) bilden sich ab dem zweiten Schwangerschaftsmonat aus. Zu ihnen gehören die Gleichgewichtswahrnehmung, die propriozeptive Wahrnehmung (Muskeln) und der taktile Sinn (Hautoberfläche). Die Fernsinne Sehen und Hören entwickeln sich vor allem im ersten Lebensjahr. Die Nahsinne bilden die Grundlage für die Entwicklung der Fernsinne.

Die Entwicklungen der ver- schiedenen Sinne beeinflussen sich gegenseitig. Eine Ver- zögerung in einem Bereich kann eine Verzögerung in einem anderen Wahrnehmungsbereich zur Folge haben. So werden ständig neue Umgehungs- lösungen nötig, die diesem Menschen das normale Alltagsleben ermöglichen, wie jedem anderen auch. Aber der dafür benötigte Energieaufwand ist wesentlich höher und der Mensch ist viel schneller erschöpft oder überfordert.